Frühgeschichte

Die Ursprünge der TSG Oberaula verlieren sich im Dunkel des beginnenden 20. Jahrhunderts: Die Arbeitslosigkeit in Oberaula ist hoch, die meisten ernähren sich von dem, was ihnen der eigene Acker bietet. Und das ist wenig. Diejenigen, die ihre Kinder nicht hungrig in die Schule schicken wollen, gehen zum Arbeiten in die Zechen ins Ruhrgebiet oder suchen ihr Glück in der neuen Welt, in Amerika.

An Sport ist in diesen Zeiten der Not nicht zu denken, denn Sport ist ein Luxus der Oberschicht.

Doch mit dem Bau und der Eröffnung der Bahnstrecke Bad Hersfeld-Treysa ändert sich das Leben in Oberaula. Am Berg Nöll wurde zwar schon seit 1810 Basalt abgebaut, doch erst mit der Inbetriebnahme der ersten Strecke Bad Hersfeld-Oberaula am 1. Mai 1906 und der zweiten Strecke von Oberaula bis Treysa am 31. Juli 1907, konnte der Abbau im großen Stil erfolgen. Endlich gab es Arbeit in Oberaula, und zwar gleich so viel neue Arbeitsplätze, dass die Menschen nicht mehr aus Oberaula wegziehen mussten, sondern im Gegenteil, Menschen zum Arbeiten an die Aula zogen und deshalb die Einwohnerzahl von 756 im Jahr 1900 auf 987 im Jahr 1907 anstieg.

Die meisten Neubürger waren Männer, die wahrscheinlich schon Erfahrungen mit Turnvereinen in ihrer Heimat gesammelt hatten. So zumindest könnte man sich die Tatsache erklären, dass im Februar 1907 im Gasthof „Zur alten Post“ der „Turnverein Oberaula“ gegründet wurde, aus dem dann später die TSG Oberaula wurde. Zeitzeugen berichteten, dass die alteingesessenen Oberaulaer Bürger zunächst Angst hatten, dass sich ein reiner Arbeiterturnverein entwickeln würde. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, traten sofort auch alteingesessene Bürger in den Verein ein und erster Vorsitzender des Vereins wurde der Schreinermeister Georg Diehl.

Unter seiner Führung traf man sich zunächst ausschließlich zum Turnen und Ringen im Saal des Gasthauses „Zur alten Post“. Dort, so lässt sich vermuten, kam neben der körperlichen auch die geistige Ertüchtigung nicht zu kurz und nach einer feucht-fröhlichen Turnstunde wurde die Gründung eines Spielmannszuges beschlossen.

Bereits nach kurzer Zeit stand der Verein in voller Blüte, denn eine ganze Reihe von erstklassigen Turnern war im Verein aktiv. Und zwar so aktiv, dass das sportliche Treiben in Oberaula schnell als Vorbild für weitere Vereinsgründungen in Kreis Ziegenhain diente. Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte der Turnboom am 28. Juni 1914 mit dem 1. Bezirksturnfestes im Kreise Ziegenhain, bei dem die erste Fahne des „Turnverein Oberaula“ feierlich geweiht wurde.

Der 1. Weltkrieg (1914 – 1918) setzte dem fröhlichen Treiben ein jähes Ende und nach dem Krieg - viele gute Turner waren gefallen - wurde das Leistungsniveau der Vorkriegszeit leider nie wieder erreicht.

   
© TSG 1907 Oberaula e. V.